Biographie einer großen Liebe

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Inspiration

Eigentlich wollte ich eine ganz dramatische Einleitung schreiben, denn gerade bietet mir der Himmel ein passendes graues Schauspiel zu meinen trüben Gedanken. Wer also keine Lust auf Traurigkeit hat, sollte sich jetzt sofort heiteren Themen zuwenden.

Für alle anderen, die vielleicht ähnliches durch machen oder gemacht haben, nichts hilft besser, als den Gedanken ein Sprachrohr zu geben. Darüber zu reden, sein Leid zu teilen- für mich eine Art Therapie und Möglichkeit, Schmerz zu verarbeiten.

Ich weiß nicht, warum ich unbedingt einen Hund wollte, als Kind hatte ich nie das Bedürfnis, meine Eltern mit diesem Wunsch zu quälen 🙂 Außerdem gab es ja Paul und Mimi, meine beiden Zwergkaninchen, auf die sich bis dahin all meine Haustierliebe konzentrierte. Statt einem Rassehund fiel die Wahl nach dem Tipp einer Kollegin: „Warum schaust du nicht mal im Tierheim?“ auf Siska. Ich hatte sie auf der Website des Tierheims Bloaschütz bei Bautzen entdeckt und es war Liebe auf den ersten Blick. Mein Mann war weniger begeistert von dem Gedanken „Hund“, aber auch er konnt ihr nicht wider stehen. Nach mehrmaligen Besuchen nahmen wir sie endlich Anfang Juli 2008 mit nach Hause- unser erster Hund!

Püppi

Püppi

Die ersten Tage waren heftig! Sie wollte zuerst nicht in unsere Wohnung und lag den halben Tag vor unserer Tür, zum Glück wohnten wir im Dachgeschoss ohne Nachbarn 🙂 Auch Treppen schien sie nicht gewohnt zu sein, 500 Meter vorm Haus setzte sie sich hin und lief nicht weiter, an der Haustür angekommen gab es keine andere Möglichkeit, als eine knurrende Siska die Stufen hinauf zu tragen. Den Tipp aus mehreren Hundebüchern, die Fellnase nicht in jeden Raum zu lassen, ließen wir ganz schnell sein und ersetzten ihn durch Körbchen in allen Zimmern 🙂 Klappte wunderbar und sie suchte sich einfach ihr Plätzchen.

Die Zeit in der Hundeschule half uns sehr, sie fand Freunde und entwickelte sich und ihren Jagdtrieb. Mein Mann brachte ihr Schwimmen bei, Ball spielen- nur für Tricks, die wir zu Hause übten, war sie nicht gemacht. Jedesmal verzog sie sich ängstlich in ihr Körbchen, wenn ich ganz begeistert einen Hindernisparcour im Wohnzimmer aufbaute.

Bis auf zwei Pfotenverletzungen durch blöde Menschen, die nicht in der Lage sind, ihre ollen Glasflaschen zu entsorgen, war sie nie krank- mein kleiner, schüchterner Sonnenschein!

Durch Siska wurde ich von der Stubenhockerin zur begeisterten Wanderin, jedes Wochenende entdeckten wir neue Gegenden und achteten beim Ziel aussuchen auf ihre Vorlieben: Wiesen und Wasser 🙂

Uckermark entdecken mit Siska

Uckermark entdecken mit Siska

Meine Mama liebt sie über alles und beide haben einen coolen Trick über all die Zeit perfektioniert 🙂 Jedes Mal wenn ich an der Haustür meiner Eltern klingele, surrt der Türknopf. Siska rennt die Stufen hinauf, an meiner Mama vorbei in die Küche zum Napf, wo schon die leckeren Fleischerwürstchen auf sie warten. Danach wird die „Hundeomi“ begrüßt. Tja, Prioritäten eben.

Das ganze könnte gern ewig so weiter gehen und niemand erzählt einem vorher, wie und wann der Abschied sein wird. Zum Glück!

Dazu muss ich sagen, ich war beim Tod all meiner Haustiere dabei, meine beiden Hamster vor Paul und Mimi sind ja leider nicht sehr alt geworden. Mimi musste eingeschläfert werden, wegen Mamatumoren und Metastasen. Sie starb in meinem Arm. Paul ging über die Regenbogenbrücke mit biblischem Alter für ihn, denn er war immer etwas kränklich. Mit 12 Jahren starb er zu Hause, er hat auf mich gewartet an diesem Tag bis ich von der Arbeit kam- zwei Stunden streichelte ich ihn und dann war er bei Mimi.

Ich finde das so wichtig, auch wenn es das Herz jedes Mal etwas kleiner macht, weil jedes Tierchen ein Stück mit nimmt. Aber es ist unsere Pflicht, sich nicht davor zu drücken! Allein sterben muss das schlimmste überhaupt sein. Bis zum Schluss zu wissen, das du geliebt wirst, muss beruhigend sein.

Tja und bei Siska…

Alles begann damit, das bei ihr letzten September in der Milchleiste ein bösartiger Tumor gefunden wurde. Wir waren natürlich in heller Aufregung und obwohl die Chance groß war, das sie so etwas Gemeines bekommt, habe ich immer gehofft, das sie zu den Fellnäschen gehört, die davon verschont bleiben. Nach der schweren OP erholte sie sich innerhalb von zwei Wochen gut und irgendwie begriff ich damals auch nicht den eher schlechten Befund des Pathologen mit einer „vorsichtigen“ Prognose für ihr weiteres Leben. Der Alltag hatte uns wieder und man schafft es ganz schnell, wenn sich das Hündchen gut erholt, alles weitere zu verdrängen. Leider entdeckte ich im April eine Verdickung an ihrer Milchleiste und darauf hin gingen wir wieder zum Tierarzt. Die zweite OP wurde geplant und die Lunge auf der Suche nach eventuellen Metastasen geröntgt- keine zu sehen, wir waren erleichtert und nach dem erneuten großen Eingriff dauerte die Erholung schon etwas länger.

Parallel suchten wir eine Homöopathin und eine Tierheilpraktikerin auf und „pumpten“ Püppi mit allerlei Pilzen, Wobenzymen, Ölen, Hagebuttenschalen, MSM Pulver und selbst gebackenen, getreidefreien Keksen voll. Ich begann viel zu lesen über Naturheilkunde und Pflanzen, so viele tolle Mäglichkeiten ohne Chemie. Und dies stimmte mich positiv und half mir sehr in dieser Zeit.

Doch dann stellten wir fest, das sie Probleme beim Häufchen machen hatte und ihre zweite OP Naht sich durch wieder auftauchendes, tumoröses Gewebe entzündete. Laut Tierarzt sah man auf dem neuen Röntgenbild Metastasen, die auf die Darmwand drückten.

Er entließ uns mit Antibiotika und einem schmerzstillendem Saft. Für ihn war unser Hund austherapiert, wir sollten die letzte Zeit gemeinsam nutzen.

Wisst ihr wie sich das anfühlt?

Als hätte das Leben keinen Sinn mehr. Verliert man das Hündchen, wird die Erde beginnen zu humpeln, denn nur sie macht alles „rund“.  Man heult sich die Seele aus dem Leib und kann doch nichts ändern. Sieht diese kleine Kreatur, die davon noch nichts ahnt und beginnt nach Trauerverarbeitung und Tierbestattungen im Internet zu recherchieren. Alles dreht sich darum, vielleicht gibt es doch noch Mittel und Wege. Mein Verstand will sich nicht damit abfinden, denn sie frisst und ist munter. Der heutige Stand: wir haben uns diese Woche eine neue Tierarztpraxis gesucht.

Nicht weil wir Wunder erwarten, sondern weil ich der Meinung bin, man darf nicht einfach aufgeben und dem Tierchen beim Sterben zu sehen. Gerade auch wegen dem äußerlich sichtbarem Problem mit der immer größer werdenden Entzündung der zweiten Narbe. Und ganz ehrlich, nachher hätte sie noch mit all der Krebs-Scheiße eine schöne Zeit gehabt und stirbt vorher an einer Sepsis durch diese Dauerentzündung. Heute werden wir erfahren, ob sie noch einmal operiert werden kann und wir ihr damit noch eine angenehmere Zeit geben können. Wir sind uns jedoch immer einig, nur aus purem Egoismus werden wir sie nicht bis zum Schluss mit irgendwelchen Behandlungen quälen, es muss immer „vernünftig“ bleiben- so fern das geht, wenn man ein Lebewesen so liebt.

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1 Kommentare

  1. Frl_Meer sagt

    Ich habe lange überlegt ob ich deinen Link, den ich bei Twitter fand öffnen soll. Ich konnte mir denken das es nicht ohne Tränen zu vergießen gehen wird und ich wusste es reißt meine Wunde wieder auf. Ich konnte jede Zeile nachempfinden. Weinend sitze ich nun hier, denke an meine geliebte Shanty zurück, die wir am 11.08.2015 ebenfalls durch einen Tumor nahe der Analdrüse verloren haben. Der Schmerz über den Verlust habe ich bis heute nicht ganz verarbeitet und ich weiß es wird auch noch seine Zeit brauchen, so wie bei unserem ersten Hund auch. Danke für deine Zeilen, Sie helfen zu wissen, dass es nicht nur mir/uns so geht. Alles gute und viel Kraft. Siska und Shanty spielen bestimmt zusammen hinter der Regenbogenbrücke. Gruß

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