Die Kultur des Irans: Taxi Teheran und They would rock

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Inspiration

They would rock

Als mich eine Freundin fragte, ob ich mit ihr in den iranischen Film „Taxi Teheran“ vom Regisseur Jafar Panahi gehen möchte, war ich sofort begeistert und schaute mir den Trailer an.

Ein paar Wochen zuvor hatte ich nämlich das Buch „They would rock“ von Helena Henneken gelesen. Optisch eine wahre Augenweide! Denn der Reisebericht über 59 Tage allein als Frau im Iran, ist in besonderem Format gedruckt. Man liest das Buch von hinten nach vorn und das griffige Papier, die Polaroidartigen-Bilder und das coole Layout, lassen mich minutenlang auf eine Seite starren.

Inhaltlich spannend, rührend, gefüllt mit liebenswerten Chrakteren und Alltagssituationen, schildert Helena ihre Reise quer durch den Iran- den man nur aus den Medien kennt und dort hat er keinen guten Ruf. Die Menschen begegnen ihr aufgeschlossen, gastfreundlich und soweit es geht, offen auf politische Fragen. Immer wieder laden völlig fremde Menschen die Besucherin aus Deutschland zu sich und ihren Familien nach Hause ein, teilen Essen, Autos und Picknickdecken- denn das ist besonders beliebt im Iran. Mich hat dieser Reisebericht sehr berührt, immer wieder musste ich das Buch kurz zur Seite legen und darüber nachdenken, was ich gerade las.

Helenas Blog ist übrigens sehr beeindruckend mit wunderschönen Bildern ihrer Reisen quer durch die Welt!

"They would rock" Helena Henneken über amazon.de

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Taxi Teheran – Sightseeing auf iranisch

Im deutschen Trailer zu „Taxi Teheran“ kommt erst einmal gar kein Gefühl eines politischen Kommentars auf, wüßte man nicht, wer der iranische Regisseur Jafar Panahi ist. Zu Beginn dachte ich, es erwartet mich ein kleines Augenzwinkern hier, ein ironisches Kommentar dort und episodenhaftes Schildern verschiedenster Menschen mit ihren Belangen.

Aber schon das erste „Paar“, eine Lehrerin und ein Taschendieb, welche ins Taxi steigen, diskutieren sofort über die Scharia und gerechte Strafen fürs Autoreifen demontieren. Dabei fällt ganz nebenbei der Satz, das der Iran mittlerweile das Land ist, welches nach China die meisten Hinrichtungen weltweit durchführt.

Es folgt ein unglaublich symphatischer Raubkopierer, der den berühmten Regisseur am Steuer erkennt. Das die Iraner begeisterte Duplikatersteller sind- nicht nur von Filmen, Musik oder bestimmten Marken, kannte ich schon aus dem Buch von Helena.

Ich glaube aber beinahe jeder war sofort voller Bewunderung für die kleine Nichte von Jafar Panahi, Hana Saeidi. Denn sie soll einen Film für die Schule drehen und bekommt vorher von der Lehrerin einen ellenlangen Zettel  mit Auflagen, der für uns völlig absurd wirkt. Wen interressiert in Deutschland, ob die Hauptdarsteller Schnauzbart oder Krawatte tragen oder ob sie Gerhard oder Helmut heißen sollen. Scheinbar naiv plappert Hana munter darauf los und doch kommen immer wieder Anspielungen auf das iranische System dabei heraus.

Besonders beeindruckt hat mich allerdings die Rechstanwältin Nasrin Sotudeh mit ihrer wunderbar ruhigen und doch kraftvollen Art. Sie verteidigt politisch Inhaftierte und setzt sich für die Frauenrechte im Iran ein. Genau wie Jafar Panahi bekam sie ein absurd langes Berufsverbot- 20 Jahre! Panahi darf als einer der wichtigsten und berühmtesten Regisseure seines Landes offiziell keine Filme drehen bis 2030! 2012 erhielten beide den Sacharow-Preis für geistige Freiheit. Mit diesem Hintergrundwissen bekommt „Taxi Teheran“ ein völlig neues Gewand.

Wenn ihr die Möglichkeit habt, schaut euch den Film unbeding in Original mit Untertiteln an. Die deutsche Synchronisation hat sehr schlechte Wertungen bekommen und Farsi ist eine tolle Sprache. Auch das Herumcruisen durch Teheran bietet einen Einblick in die iranische Architektur und es gibt erstaunlich viel Grün für eine Großstadt.

Mein Fazit nach diesem Film.

Warum müssen wir Menschen uns so behandeln, so begegnen- in einem Irrsinn aus Falsch und Richtig vergessen wir eins.

Das Wort Menschlichkeit besaß irgendwann einmal eine positive Bedeutung. Die Welt da draussen ist viel zu schön und wir haben keine Zeit sie zu bestaunen!

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